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Mieter aufgepasst!



Wirtschaftlichkeit der Erhaltung und Modernisierung einer Siedlung der 1950er Jahre

Hilfe!

 

Wir, Mieter der Moltkestrasse 50-66b, Teil der historisch wertvollen Sternwartensiedlung in Kiel Düsternbrook, sind eine Gruppe von ca. 70 MieterInnen im Alter zwischen 6 Monaten und 84 Jahren. Die Wohnanlage, in der wir leben, wurde 1952 mit Steuergeldern für einkommensschwache Landesbedienstete (u. a. Polizisten) gebaut. Einige MieterInnen wohnen seit dem hier, andere sind dazu gekommen.

 

Am 13. 07. 2006 wurde uns schriftlich mitgeteilt, dass diese Wohnanlage vom bisherigen Besitzer, der LEG, an die Wohnbaugesellschaft Frank Heimbau GmbH verkauft wurde. Man versicherte uns, dass sich an unseren Mietverhältnissen nichts ändern würde.

 

Am 25. 09. 2006 teilte uns die Frank Heimbau GmbH mit, dass die Wohnungen abgerissen werden sollen.

Es sollen stattdessen „etwa 60 hochwertige Wohneinheiten, hauptsächlich in Eigentum, samt Tiefgaragen im Gesamtvolumen von etwa 13 bis 15 Millionen Euro (…) in der begehrten Düsternbrooker Lage“ entstehen. Wir gehören nicht zu der Käuferzielgruppe, denn für uns sind die Wohnungen unerschwinglich.

 

Wir fühlen uns hintergangen und sind tief verletzt.

 

Dieser Verkauf war offensichtlich von der LEG von langer Hand vorbereitet worden. 

 

Nun können wir uns auch erklären, weshalb schon seit Jahren (seit 1998) notwendige Renovierungsarbeiten am Gebäude (u. a. Außenanstrich der Fenster und Türen, neue Drainage und Ausbesserung der Dächer und Schornsteine), trotz mehrfacher Anmahnung, unterblieben.

 

Das ehemals gute Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter kippte. Familien, die sehr viel Geld in ihre Wohnungen investiert hatten, zogen entnervt aus. Plötzlich fand auch eine Veränderung in der Mieterstruktur statt. D. h. junge Mieter, vorzugsweise Studenten, wurden bei frei werdenden Wohnungen als Mieter bevorzugt. Entsprechend stieg die Fluktuation. Seit gut einem Jahr wurden schließlich gekündigte Wohnungen nicht mehr vermietet.

 

In der Vergangenheit hat die LEG bevorzugt an ihre Mieter verkauft, diesmal wurden die Mieter leider nicht gefragt, ob sie an einem Kauf interessiert wären.

 

Unsere Wohnanlage bietet eine gute Lebensqualität zu moderaten Preisen.

 

Dies macht die Eigenart unseres Viertels aus: Hier wohnen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen, Junge und Alte, Familien mit Kindern, Wochenendväter, Singles, Alleinerziehende, Berufstätige und Arbeitslose, Rentner und Studenten. Wir erfüllen seit langem die immer lauter werdenden Forderungen von Politikern und Soziologen nach neuen Wohn- und Lebensformen.

Wir leben bereits die von der Politik geforderte hilfsbereite, lebendige, vertrauensvolle Nachbarschaft, von der ganz besonders die Kinder und Alten profitieren.

 

Bedenkt man die demographische Entwicklung in Kiel mit vielen Studenten und das Singledasein im Alter, dann werden vor allem zunehmend kleine preiswerte Wohnungen in zentraler Lage, mit gemischter Nachbarschaft, wie unsere, gebraucht.

Wir alle wissen doch, dass unsere Renten immer weniger werden und der größte Teil der Bevölkerung auf  Wohnungen, wie unsere, angewiesen ist.

 

Teure Altenheime könnten fast überflüssig werden, wenn solche lebendigen Nachbarschafts-Siedlungen weiter ausgebaut würden und nicht Spekulanten mit dem fragwürdigen Diktat der „Wirtschaftlichkeit“ zum Opfer fallen.

Wir wohnen alle sehr gerne hier in der Sternwartensiedlung und haben vor, hier zu bleiben.

Wir leben eine enge Nachbarschaft mit gegenseitiger Unterstützung.

Und nicht zuletzt haben wir alle gelernt, dass die Wohnlage vieles im Leben bestimmt.

 

Es ist eben nicht gleichgültig,  welche Adresse bei der Einschulung eines Kindes oder bei der Arbeitssuche u. ä. angegeben wird.

 

Unser Umfeld ist intakt, die Infrastruktur erfüllt die unterschiedlichen Bedürfnisse. Die Kinder wachsen naturnah auf. Wir haben hier unsere Kindergärten, Schulen, Arbeitsplätze, Kirchengemeinden und Betreuungseinrichtungen. Wir sind hier sozial fest verankert und glücklich.

 

Wir sind der Auffassung, dass Eigentum verpflichtet (Art. 14 Abs. GG) und dass der Eigentümer es als sein Anliegen sehen müsste, „…diese Siedlung als Ganzes zu erhalten und weiter zu entwickeln.“(Prof. Dr. Mehlhorn, Leserbrief KN 08. 09. 2006)

 

Stattdessen wünscht sich die Frank Heimbau GmbH, dass unsere Anlage „geräumt“ wird (KN 30. 09. 2006), um dann die angestrebten familiengerechten Eigentumswohnungen bauen zu können“. Unsere Anlage ist familiengerecht, aber wir sollen den Platz räumen. Die Anlage soll anderen Familien – wohlhabenden Familien – gerecht werden.

 

Wir haben erfahren, dass wir wegen des geplanten Abrisses nicht ausziehen müssen. Die Bemühungen der Frank Heimbau GmbH, uns Mieter aus unserer Siedlung zu räumen, liegen jenseits aller Gesetze. Daher müssen andere Mittel greifen, um uns Mieter zu „vergraulen“, wenn denn Lockmittel (Geldwert) nicht zum Erfolg führen. Schließlich hat die Frank Heimbau viel Geld investiert, damit ihre Spekulation aufgeht.

 

Wir sind bestürzt, dass die Stadt eine Baugenehmigung geben konnte, wohl wissend, dass Menschen da wohnen, die die Frank Heimbau GmbH einschüchtern würde; wohl wissend, dass ein „Teil der in den 50er-Jahren entstandenen Sternwartensiedlung“ (Prof. Dr. Mehlhorn, KN 08.09. 2006) verschwinden würde, zum Spott des Gesetzes für „Erhaltung baulicher Anlagen und der Eigenart von Gebieten“, wohl wissend, dass die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung in unserem Viertel exemplarisch und seine Erhaltung wünschenswert ist (Baugesetzbuch §172), auch zum Spott des guten menschlichen Verstandes und der seit Jahrzehnten als korrekt erwiesenen politischen Haltung, nach welcher eine Stadt eben nicht aus sozial abgegrenzten Vierteln bestehen sollte.

 

Der Ruf nach einer Gesellschaft mit Werten wird nicht von ungefähr immer lauter.

 

Wir glauben aber nicht, dass der geldwerte Vorteil damit gemeint ist.

 

Soziale Werte und ein sensibler Umgang mit Menschen/Mietern und gewachsenen Strukturen ist angesagt und nicht einfach Abriss ihrer Wohnungen und damit ihres Lebensmittelpunktes. Wer jemals durch eine ähnliche Situation sein Zuhause verloren hat, weiß, was das bedeutet.

 

Der noch weitgehend ursprüngliche Teil der Sternwartensiedlung, Moltkestraße 50-66b, ist unser Zuhause und wir kämpfen für dessen Erhalt.

 

Dazu benötigen wir Hilfe und Unterstützung. Jede Form von Öffentlichkeitsarbeit, Leserbriefe, juristische Tipps und aktive Hilfe, auch Erfahrungsberichte von Menschen, die eine ähnliche Situationen durchstehen mussten, sind uns sehr willkommen.

 

Damit Sie uns erreichen und bestens informiert sind, haben wir diese Homepage mit viel Liebe und Engagement entwickelt.